Ausstellungsarchiv

Präsentation Anfang Juni 2024


Festivalempfehlung "grotesk!" u. a. mit Lesung von Franziska Füchsl


Vom 07.–09.06.2024 findet in der "Alten Schieberkammer" (Meiselstraße 20, 1150 Wien) 

grotesk! - Festival für Literatur und Film statt.

Mehr Informationen sind zu finden unter:  www.sprachspiel.biennalewest.at 
 

U. a. finden am Samstag, 08.06.2024, 15.00 – 16.30  folgende Screenings statt: 

 

Susann Maria Hempel, Die Hüter des Unrats 

(DE 2022 | 11 MIN 10 SEC) sowie 

Jiří Barta, A Ballad About Green Wood 

(CS 1983 | 11 MIN). 

 

Anschließend liest Franziska Füchsl ihren neuen Text „Grotte Kliebe. Grotesk sans. Typoglyphie?“ und spricht über diesen mit Viola Rühse. 


 

Präsentationen Februar - Mai 2024


Fliegende Schönheiten – PHOTO:graphics

- ein Naturschutz-Ausstellungsprojekt für Schmetterlinge
von Christian Kantner und Florinda Ke Sophie

Anlässlich der Ausstellung Fliegende Schönheiten – PHOTO:graphics  ab 06.03.2024 bis Mitte Feber 2025  im Nationalparkhaus wien-lobAU, Dechantweg 8, 1220 Wien präsentierte das Kunstschaufenster dreimal zwei ausgewählte Arbeiten von  Christian Kantner und Florinda Ke Sophie.


Die Makrofotografien von Christian Kantner (Fotograf und Biologe, Wien) dienen als Vorlage für 51 Zeichnungen von Florinda Ke Sophie (Bildende Künstlerin, Galerie Blaues Atelier, Graz), welche in Ausstellungen einem breiten Publikum zur Sensibilisierung bezüglich der Problematik des jetzt stattfindenden Artensterbens gezeigt werden sollen. „Fliegende Schönheiten“ ist eine Gegenüberstellung der künstlerischen Bildgattungen Fotografie und der zeichnenden Kunst – der Grafik, kurz „PHOTO:graphics“.

Mehr Informationen unter:
https://photographicsbutterflies.wordpress.com/

Präsentation Mai 2024

Fliegende Schönheiten – PHOTO:graphics

- ein Naturschutz-Ausstellungsprojekt für Schmetterlinge
von Christian Kantner und Florinda Ke Sophie

Teil III: Malven-Dickkopffalter 

Malven-Dickkopffalter- Carcharodus alceae

 

In den Beständen sind Malven-Dickkopffalter stark schwankend. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sind diese Schmetterlinge in tieferen Lagen nahezu verschwunden. Der Malven-Dickkopffalter bewegt sich mit gezieltem und schnellem Flug von Blüte zu Blüte und ist wärmeliebend. 


Familie:    Hesperiidae  (Dickkopffalter) 


Futterpflanzen der Raupe:     Fast ausschließlich Malvengewächse. 


 Futterpflanzen des adulten Schmetterlings:   Eisenkraut, Storchschnabel-Gewächse, Flockenblume, Dost, Natternkopf, Löwenzahn, Malven. 

 

 Habitat:     Kiesgruben, Trockenrasen, Weinberge, offene und trockene Lebensräume, die wärmebegünstigt sind, werden bevorzugt. 


Mehr Informationen zum Malven-Dickkopffalter:

https://lepiforum.org/wiki/page/Carcharodus_Alceae

Präsentation April 2024

Fliegende Schönheiten – PHOTO:graphics

- ein Naturschutz-Ausstellungsprojekt für Schmetterlinge
von Christian Kantner und Florinda Ke Sophie

Teil II: Zitronenfalter

Zitronenfalter - Gonepteryx rhamni

 
Sie gehören zu den langlebigsten europäischen Schmetterlingen und überstehen Temperaturen unterhalb von 0 Grad.
 
Familie:    Pieridae (Weißlinge)

Futterpflanzen der Raupe:     Verschiedene Gewächse aus der Familie der Kreuzdorne, aber vor allem Faulbaum.

Futterpflanzen des adulten Schmetterlings:
Disteln, Herbst-Löwenzahn, Schmetterlingsflieder.

Habitat:     Anzutreffen an Waldrändern mit Gebüschen und Sträuchern in sonnigen Arealen. Auch in eher kargen Gegenden mit mageren Wiesen und Felseneinlagerungen, überall dort wo es Blumen und Sonne gibt.

Mehr Informationen zum Zitronenfalter: 
https://nrw.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/tagfaltermonitoring/tagfalter-nrw/03158.html 

Präsentation März 2024

Fliegende Schönheiten – PHOTO:graphics

- ein Naturschutz-Ausstellungsprojekt für Schmetterlinge
von Christian Kantner und Florinda Ke Sophie

Teil I: Projektvorstellung

Präsentation Februar 2024

Karin Böhm | Nichts zu sehen? 


Anlässlich der Neuerscheinung Nichts zu sehen? Stalag XVII B Krems-Gneixendorf – eine topografische Vermessung  von Karin Böhm und Edith Blaschitz präsentiert das Kunstschaufenster eine Gegenüberstellung einer Fotografie von Karin Böhm und eines historischen Bildes aus dem Stalag XVII B  (Privatarchiv Herbert Slatner, Auswahl: Karin Böhm).

 

Hier weitere Infos zur Neuerscheinung:

Karin Böhm, Edith Blaschitz
Nichts zu sehen? Stalag XVII B Krems-Gneixendorf – eine topografische Vermessung
Verlag Bibliothek der Provinz, 2024, ISBN: 978-3-99126-207-7, 144 Seiten, zahlr. farb. Abb., Hardcover, € 28,00,
www.bibliothekderprovinz.at/buch/8267

The book is also available in an English edition. 
 
Nahe der Stadt Krems befand sich im Zweiten Weltkrieg das größte Kriegsgefangenenlager auf dem Gebiet des heutigen Österreich: das Stalag XVII B Krems-Gneixendorf. Davon ist heute fast nichts mehr zu sehen. 
Zweieinhalb Jahre lang suchte die Bildjournalistin Karin Böhm dieses Areal immer wieder mit ihrer Kamera auf. Aus der beharrlichen Auseinandersetzung mit dem Ort entstand eine fotografische Betrachtung und Vermessung. Parallel dazu recherchierte die Historikerin und Kulturwissenschafterin Edith Blaschitz im Rahmen des Forschungsprojektes „NS-‚Volksgemeinschaft‘ und Lager im Zentralraum Niederösterreich. Geschichte – Transformation – Erinnerung“ historische Quellen zum Stalag XVII B. Die Perspektive der Internierten, deren Kontakte zur lokalen Bevölkerung und der Umgang mit der Erinnerung an das Lager standen im Fokus der Forschungen. 
Im Buch wird die Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Ortes mit den recherchierten historischen Dokumenten und aktuellen Reaktionen – Fotografien, Zeichnungen, Briefe, E-Mails, Interviews, Tagebucheinträge, Landkarten und Akten – zu einem dichten Foto-Text-Ensemble verwoben. 
Im abschließenden Essay analysiert die Kunsthistorikerin und Bildwissenschafterin Viola Rühse ausgewählte Aspekte des komplexen künstlerischen Bild-Text-Mosaiks. 



Präsentation Jänner 2024

Herwig Zens | Grafiken 

Der österreichische Künstler und Kunstpädagoge Herwig Zens (1943-2019) hätte 2023 seinen 80. Geburtstag gefeiert. Deswegen gab es 2023 viele Zens-Jubiläumsausstellungen, u. a. im Kunsthistorischen Museum Wien und im Wien Museum. Diesen „Zens-Festspielen“ schließt sich das Kunstschaufenster mit einer kleinen Präsentation an.
Herwig Zens hatte von 1987 bis 2006 eine Professur für Bildnerische Erziehung an der Akademie der Bildenden Künste Wien inne und verfasste wichtige Schulbücher für den Kunstunterricht an Gymnasien. Darüber hinaus ist er als international tätiger Künstler neben seinem umfangreichen malerischen Werk besonders für seine vielen Grafiken geschätzt, von denen Sie hier zwei sehen.
 
Mehr Arbeiten von Herwig Zens sind bis 14.4.2024 in der bislang größten Retrospektive zu seinem Schaffen „Herwig Zens. Keine Zeit“ in der Landesgalerie Niederösterreich in Krems an der Donau zu sehen. Zusätzlich ist in Krems eine zweite Zens-Ausstellung im Forum Frohner zu besichtigen. Wenn Sie selbst Kunst von Herwig Zens erwerben möchten, empfehlen wir Ihnen einen Besuch in der Galerie Wolfrum (Augustinerstraße 10, 1010 Wien, www.wolfrum.at).


Herwig Zens, Hofzwerge nach [Diego] Velázquez, 1991, WVZ 546, Radierung, 67/100, 65 x 55 cm, Privatsammlung
 
Herwig Zens hatte ein äußerst fundiertes kunsthistorisches Wissen. In seiner Kunst hat er immer wieder Sujets aus der historischen Kunst neben Inspirationen aus Film und Fotografie aufgegriffen. Seine sogenannten „Paraphrasen“ bekannter Kunstwerke zum Beispiel von barocken Hofkünstlern sind dabei kreative und sehr zeitgemäße Neuinterpretationen. Bei der Radierung „Hofzwerge nach [Diego] Velázquez“ betont Zens noch mehr als Velázquez die Würde der kleinwüchsigen Bediensteten am spanischen Hof von König Philipp IV. Denn Zens fokussiert das Gesicht, der Körper ist nur teilweise in Andeutung zu sehen. Der Titel der Radierung lässt auf zwei verschiedene Hofzwerge schließen. Tatsächlich scheint es sich um den Hofzwerg Sebastían de Morra in zwei Ansichten – mit und ohne Hut – zu handeln.*
 
*Als Vorlagen verwendet Herwig Zens Details aus den beiden folgenden Gemälden von Diego Velázquez: Prinz Baltasar Carlos mit dem Conde-Ducque de Olivares in der Reitschule, 1636, London, Sammlung des Duke of Westminster; Zwerg, auf dem Boden sitzend [vermutlich Don Sebastián de Morra], 1645, Madrid, Prado.

Herwig Zens, Universitätsbuchhandlung Manz, ca. 2013, Siebdruck, Probedruck, Privatsammlung
 
Herwig Zens hat sich intensiv mit Architekturgeschichte und -theorie auseinandergesetzt. Zahlreiche seiner Grafiken behandeln historische und zeitgenössische Bauwerke. In dem Siebdruck paraphrasiert Zens das von Adolf Loos 1912 gestaltete Portal der juristischen Traditionsbuchhandlung Manz am Kohlmarkt 16 in 1010 Wien. Das elegante Geschäftsportal mit weiß geädertem schwarzen Marmor, Goldbuchstaben und Mahagoniauslagen zählt zu den schönsten im ersten Bezirk in Wien. Das stationäre Ladengeschäft von Manz schloss leider Mitte Juni 2023. Das denkmalgeschützte Loos-Portal bleibt jedoch erhalten. Auf Zens’ Grafik ist rechts am Rand der Portaldarstellung eine Porträtparaphrase von Adolf Loos nach einer circa 1904 aufgenommenen Fotografie von Otto Mayer zu sehen. Links ist vermutlich ein weiteres Loos-Porträt von Zens skizziert worden. Davor sieht man den von Adolf Loos entworfenen Stössler-Stuhl

Mehr Informationen zum Leben und Werk von Herwig Zens finden Sie in einer

interaktiven Datenvisualisierung unter www.dataquaria.com/zens (Software: dataquaria.com / Michael Smuc & Florian Windhager; Datenkuratierung: Viola Rühse & Florian Windhager; Story: Viola Rühse). 


Wenn Sie dort den PLAY-Button klicken, können Sie ausgewählte Lebensstationen von Herwig Zens detaillierter mit Bildern und Texten erkunden.

Präsentation Dezember 2023

 Ein Ausstellungshinweis als
BESONDERE EMPFEHLUNG

vom Kunstschaufenster -
 nämlich für die
Ausstellung von dem Berliner Künstler
JIM AVIGNON
 in der Wiener GALERIE SOLDO
www.galeriesoldo.com
bis 14. Dezember 2023 

Zu sehen war neben dem Ausstellungsplakat der Galerie Soldo noch das Bild "Ich kann keine Kunst mehr sehen" (2014, Privatbesitz) von Jim Avignon mit einem vom Kunstspaziergang erschöpften Berliner Bären.

Präsentation November-Dezember 2023


Kseniya Rai | Leleka CX101 / Generationen CX1123 | Gemälde 2023 

Die in der Ukraine geborene Künstlerin Kseniya Rai ist überaus experimentierfreudig und scheut sich nicht, ihre Herangehensweise an Kreativität und Stil radikal zu ändern. Das Einzige, was stets gleichbleibt, ist die Arbeit innerhalb von Serien und die Schaffung ihrer eigenen Mikrouniversen, in denen die Künstlerin mit vielschichtigen Konstruktionen und Zusammenhängen spielt. 
 
Aktuell konzentriert sich Kseniya Rai auf die Analyse von Formen, Farben und ihren Kombinationsmöglichkeiten in komplexeren Kompositionen. Sie verbindet dabei Neokubismus, Surrealismus und Abstraktion mit Themen der menschlichen Interaktion und aktuellen Technologien wie KI, die unsere Gesellschaft durchdringen und prägen. Kseniya Rai kreiert zu ihren Gemälden virtuelle Projektionen, die man mit einem QR-Code abrufen kann. 
 

Kseniya Rai, „Leleka CX101“, Gemälde (Öl auf Leinwand, 70 x 70 cm, handsigniert) und Augmented-Reality-Projektion, aus der Kubismus-Serie 2023 (Anleitung für die virtuelle Projektion und Echtheitszertifikat vorhanden).

Bilderläuterung der Künstlerin:
In der ukrainischen Sprache bedeutet „Leleka“ Storch. Störche gelten in der Ukraine als
heilige Vögel wegen ihrer Treue zu den Menschen, da sie nie Menschen verletzen. Unsere
Vorfahren glaubten, dass Vögel mit menschlichen Seelen ausgestattet sind, das
menschliche Herz spüren und die Sprache verstehen. Sie sind auch für ihre Treue
bekannt. Wenn sich ein Storch für eine Partnerin entscheidet, gilt das für das ganze
Leben. Man glaubte auch, dass ein Storch, der ein Haus mit einem Neugeborenen
überfliegt, der Familie in einem Jahr weiteren Zuwachs bescheren würde. Ein Storch,
der während einer Hochzeit oder im Traum einer verheirateten Frau auf dem Dach
landete, bedeutete ebenfalls schnellen Familienzuwachs. In der ukrainischen Folklore
gibt es viele Sprüche, Zeichen, Lieder und Gedichte über Störche. In Legenden wurden
sie mit besonderer Zärtlichkeit beschrieben. 

Kseniya Rai, „Generationen CX1123“, Gemälde (Öl und Acryl auf Leinwand, 80 x 80 cm, handsigniert) und Augmented-Reality-Projektion, aus der Kubismus-Serie 2023 (Anleitung für die virtuelle Projektion und Echtheitszertifikat vorhanden).

Arbeiten von Kseniya Rai finden sie auch auf ihrer Instagram-Seite: www.instagram.com/kseniyarai


Wenn Sie Interesse an dem Erwerb einer Arbeit von Kseniya Rai haben, kontaktieren Sie uns unter: [email protected]
 
Wir leiten Ihre Anfrage gern an die Künstlerin weiter. Ein internationaler Versand der Werke von Kseniya Rai ist möglich. 

Präsentation Oktober - November 2023

 For Englisch version see below 

Carolin Eirich | Mit Essen spielt man nicht / Kognitive Dissonanz | Collagen 2023 


Carolin Eirich verwendet für die Collagen sowohl selbst erstellte als auch aus Zeitschriften und Bildbänden ausgeschnittene Fotos und Zeichnungen. Zentrales Thema der Arbeiten ist das Mensch-Tier-Verhältnis. Carolin Eirich möchte die Betrachter*innen anregen, sich in reflektierter Empathie mit Tieren zu üben sowie normalisierte und institutionalisierte Auffassungen und Praktiken zum Mensch-Tier-Verhältnis hinterfragen zu lernen.

 
Viele Tierethiken und Moralphilosphien sind beispielsweise durch ein normativ gesetztes „Menschsein“ und eine „menschliche“ Perspektivierung geprägt und sind in der Mehrheit wenig differenzsensibel. Eine neue, geradezu „versöhnende“ Perspektive dagegen hat die finnische Philosophin Elisa Aaltola (* 1976) in den Tierethik-Diskus eingebracht, die für Carolin Eirichs wissenschaftliche, aktivistische und künstlerische Arbeit sehr einflussreich ist. In der 2018 erschienen Publikation Varieties of Empathy. Moral Psychology and Animal Ethics bemüht sich Aaltola um eine Brücke zwischen der Einordnung und Verwendung des Empathiebegriffs innerhalb der Moralpsychologie und dem Feld der Tierethik.* Aaltola erachtet eine „reflektierte Empathie“ als besonders ideal und ausgereift für das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren, da sie u. a. sowohl aus aufmerksamer Affiziertheit sowie aus dem Bewusstsein über verhaltens- und (neuro-)biologischen Kenntnissen in Bezug auf das jeweilige Tier besteht.
 
Das durch diese „reflektierte Empathie“ ermöglichte Changieren zwischen der Wahrnehmung des/der Anderen und den dabei im eigenen Geist und Körper hervorgerufenen Reaktionen bzw. Emotionen hat Carolin Eirich zu ihren Collagen inspiriert. Darüber hinaus sollen sowohl die Ambivalenzen und Dissonanzen der (Ungleich-)behandlung unterschiedlicher Tiere, aber auch evolutionsbiologisch gewachsene Ähnlichkeiten in den Kunstwerken herausgestellt werden. Carolin Eirich versteht wie Elisa Aaltola die Kultivierung von Empathie gegenüber Tieren als „einen Akt der Auflehnung gegen eine Kultur und Politik der Gleichgültigkeit und des Egoismus“ und als „ein[en] Akt der Rebellion und ein[en] Weg zur Neuordnung und Rekonstruktion jener utilitaristischen, optimierenden und instrumentalisierenden gesellschaftlichen Verästelungen und Institutionen, die derzeit Mitleidsmüdigkeit und Empathieverweigerung verbreiten.“ 

 

Carolin Eirich studierte Kulturwissenschaften und Gender Studies an der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin und der University of Sydney nach Ausbildungen in Fremdsprachenkorrespondenz und Heilerziehungspflege. Anschließend war sie im Bereich der kulturellen und politischen Bildung sowie als Lehrkraft für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache tätig. Derzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Düsseldorf und lehrt am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der HU Berlin. Sie forscht zu (queer)feministischen, neumaterialistischen bzw. kritisch-posthumanistischen Erzählungen und Erzählweisen in Bezug auf Verhältnisse und Beziehungen von Menschen, Natur und Tieren. Darüber hinaus engagiert sie sich im Verein Mensch Tier Bildung e. V. 


* Aaltola, Elisa: Varieties of Empathy. Moral Psychology and Animal Ethics. London/Lanham: Rowman & Littlefield International 2018, S. 209.


Die Präsentation ist Teil der Ausstellungsreihe philosopHERs as an art inspiration (Frühjahr - Herbst 2023). 


Carolin Eirich | Do Not Play With Food / Cognitive Dissonance |Collages 2023

 

For the collages displayed at the exhibition, Carolin Eirich used photos and drawings they either created themself or cut out from magazines and illustrated books. The central theme of the works is the human-animal relationship. Carolin Eirich wants to encourage the viewer to practice reflective empathy with animals and to learn to question normalized and institutionalized perceptions and practices of the human-animal relationship. 

Moral theory and animal ethics are mostly characterized by normative “humanity” and a “human” perspective and are, in the majority, not very sensitive to differences. In contrast, a new, almost “reconciliatory” perspective has been brought into the animal ethics discourse by the Finnish philosopher Elisa Aaltola (* 1976), who has been very influential for Carolin Eirich's academic, activist, and artistic work. In Varieties of Empathy. Moral Psychology and Animal Ethics, which was published in 2018, Aaltola strives to bridge the classification and use of the concept of empathy within moral psychology and the field of animal ethics. Aaltola considers “reflective empathy” to be particularly apt and sophisticated with regards to the relationship between humans and animals. Among other things, reflective empathy consist of conscious reflection of behavioral and (neuro-)biological knowledge as well as affective resonation with the specific animal. 

“Reflective empathy” enables an oscillation between the perception of “the other(s)” with special regard to the species-specific (behavioural) biology and the reactions or emotions thereby evoked in oneʼs own mind and body. These reactions or emotions are then ascribed to supraindividual traditions of thought. Carolin Eirich intends to stimulate these thought processes with their collages. 

Furthermore, both the ambivalence and dissonance of the (unequal) treatment of different animals, but also evolutionary grown similarities are to be highlighted in the artworks. Carolin Eirich, like Elisa Aaltola, understands the cultivation of empathy toward animals as “a radical act of defiance against a whole cultural, political logic of detachment and egoism” and “an act of rebellion and a path towards the rearrangement and reconstruction of those utilitarian, optimizing, and instrumentalizing social ramifications and institutions that currently spread compassion fatigue and empathy denial”.1 

 

Carolin Eirich studied Cultural and Gender Studies at Humboldt University of Berlin and University of Sydney after vocational trainings in foreign language correspondence and social work for people with special needs. After finishing their studies, they worked in the field of cultural and political education and as a teacher of German as a foreign and second language. They are currently a research assistant at the Department of Social Sciences and Cultural Studies at the University of Applied Sciences Düsseldorf and teaches at the Centre for Transdisciplinary Gender Studies at HU Berlin. Since 2018, they have been involved in the association Mensch Tier Bildung e. V. Their research encompasses (queer)feminist, neo-materialist or critically post-humanist narratives and modes of narration with regards to relations and relationships of humans, nature and animals.

 


1 Aaltola, Elisa (2018): Varieties of Empathy. Moral Psychology and Animal Ethics. London/Lanham: Rowman & Littlefield International, p. 209. 



Mit Essen spielt man nicht

Kognitive Dissonanz

Präsentation im September 2023

Amelie Schnell | Was ist Glück? | Interaktive Installation 2023

Die Frage „Was ist Glück?“ beschäftigt die Menschheit seit jeher. Heute kursieren für Glück gefühlt unendlich viele Definitionen und zum Glücklich sein noch mehr Ratschläge in allen möglichen Medien – online wie offline. Es gibt Glückscoaching, Glücksforschung, Glück-Festivals, das Glücksrad, Glücksbringer und vieles mehr. Unzählige Meinungsforschungsinstitute führen Studien zu Glück durch. Was jede/r Einzelne als Glück empfindet, lässt sich allerdings nicht nur in Statistiken oder  akademischen Theorien abbilden. Denn Glück ist so individuell und vielfältig, wie die Menschen es sind. Im Alltag fehlt jedoch oft der gegenseitige Austausch darüber, was Glück ist. Daher möchte Amelie Schnell den Passant_innen des Kunstschaufensters Gelegenheit geben, ihre persönliche Glückvorstellung über den QR-Code in einer digitalen Wortwolke zu teilen (www.answergarden.ch/3201276).

 Für Émilie du Châtelet (1706 – 1749) ist Glück beispielsweise die Liebe zur Wissenschaft. In ihrer Rede vom Glück schreibt die Philosophin und Naturwissenschaftlerin: „Je weniger unser Glück von anderen abhängig ist, desto leichter gelingt es uns, glücklich zu sein. […] Aus diesem Grund, der Unabhängigkeit nämlich, ist auch die Liebe zur Wissenschaft unter allen Leidenschaften die, welche am meisten zu unserem Glück beiträgt.“ (Châtelet, 1779/2008, 36 f.). Sie machte auch darauf  aufmerksam, dass ihren männlichen Zeitgenossen mehr Wege als die Wissenschaft zum Glück offenstanden, etwa die Diplomatie. Émilie du Châtelet war natürlich eine sehr privilegierte Frau und Ausnahmepersönlichkeit im 18. Jahrhundert. Dies verdeutlicht, dass Glück immer auch abhängig von der jeweiligen Gesellschaft und 
der individuellen Situation ist.


Amelie Schnell M.A. setzte sich während ihres Studiums der Pädagogik schwerpunktmäßig mit den Themen diskriminierungssensible Pädagogik und Geschichte der Mädchen- und Frauenbildung auseinander. Aktuell arbeitet sie in einem Präventionsprogramm gegen jede Form von Extremismus, Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit mit Jugendlichen an Schulen und engagiert sich für die Sichtbarmachung von Frauen aus Geschichte und Gegenwart.



Literatur: Châtelet, É. du. (2008). Rede vom Glück (6. Aufl.). Berlin: Friedenauer Presse [der 1747 verfasste Text erschien postum zum ersten Mal 1779].


Die Präsentation ist Teil der Ausstellungsreihe philosopHERs as an art inspiration (Frühjahr - Herbst 2023). 

Präsentation im August 2023


Lilli Förster  | Klarheit oder Wirrwarr  | 2023

Eine fotokünstlerische Auseinandersetzung mit Margaret Anscombes Moralphilosophie

 

Lilli Förster setzt sich in ihrer Fotocollage künstlerisch mit der Philosophin Elizabeth Anscombe (1919-2001) auseinander. Anscombe war Studentin bei Ludwig Wittgenstein, dessen Lehrstuhl in Cambridge sie ab 1970 übernahm und dessen Werke sie mit herausgab. Ascombes eigenes Werk ist sehr vielschichtig und interdisziplinär; es reicht von Moralphilosophie, Philosophie des Geistes und der Psychologie, Sprachphilosophie, Metaphysik über Religionsphilosophie bis zu politischer Philosophie. Zu ihren bekanntesten Werken zählen „Modern Moral Philosophy“, in: Philosophy 33 (1958) und Intention, Oxford: Basil Blackwell (1957).1

Anscombe scheute sich nicht vor Konfrontationen; beispielsweise erkennt sie der Moralphilosophie ihrer Zeit ab, irgendeinen signifikanten Wert für die Menschen zu haben und entlarvt sie als abstrakte, wabernde Worthülsen.2  Anscombes philosophische Arbeit formt dabei kein System, sondern Anscombe bezieht sich auf Beispiele und integriert klare konkrete Beschreibungen, statt auf abstrakte Regeln oder die bisher gebräuchlichen Herangehensweisen zurückzugreifen. In der Fotocollage von Lilli Förster steht inspiriert von Elizabeth Anscombe daher ein bewusstes, klares Wahrnehmen eines individuellen Einzelfalles dem abstrakten und undurchdringlichen Wirrwarr aus Begriffskonstruktionen gegenüber. 



 Lilli Förster schreibt nach dem Abschluss ihrer Masterarbeit an der Universität Frankfurt am Main über „Wittgenstein und Tolstoi. Zwei Konzepte der Kommunikation“ derzeit ihre Doktorarbeit zu Tolstoi und Wittgenstein und dem Verhältnis von Kunst und Leben. Zu den veröffentlichten Artikeln gehören unter anderem „Art is Serious, Life is Serene“, in: The Polish Journal of Aesthetics, Nr. 61, 2021 und „Against the High Culture – On Leo Tolstoy's Aesthetics“, in: Proceedings of the European Society für Ästhetik, Bd. 12. 2021. 


 

1 Wiland, Eric und Julia Driver, "Gertrude Elizabeth Margaret Anscombe", The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Fall 2022 Edition), Edward N. Zalta & Uri Nodelman (eds.), https://plato.stanford.edu/archives/fall2022/entries/anscombe/, 2.7.2023). 

2 Anscombe, G. E. M., „Modern Moral Philosophy“, Philosophy. The Journal of the Royal Institute of Philosophy (January 1958, Vol. XXXIII, No. 124). 

 

Die Präsentation war Teil der Ausstellungsreihe philosopHERs as an art inspiration (Frühjahr - Herbst 2023).

Präsentation im Juli 2023

Jacqueline Hackl | Borderlands – Tomatenpflanzengeruch | 2023


Die Arbeit ist in Auseinandersetzung mit den Texten zu borderlands der amerikanischen Autorin und Aktivistin Gloria Anzaldúa entstanden.* In diesen ist die Verkörperung von Erfahrung und Wissen zentral, welche die Verbindung mit Gerüchen und Geschmäcken mit sich bringen kann. Bewusstseinsbildung durch die stärkere Berücksichtigung auch von taktilen, olfaktorischen und geschmacklichen Erfahrungen ist für Gloria Anzaldúa wichtig. 

Hiervon inspiriert hat Jacqueline Hackl eine Darstellungsform für ihre eigenen Grenzländer kreiert. Die Schriften von Gloria Anzaldúa werden dabei auf eine persönliche Weise reflektiert, indem Jacqueline Hackl Erinnerungen aus ihrer eigenen Vergangenheit mitberücksichtigt. So möchte Jacqueline Hackl mit der Arbeit auch ihre Großeltern würdigen, insbesondere ihre Großmutter: 

 

„Mit ihr verbinde ich das titelgebende Wort „Tomatenpflanzengeruch“. Es drückt zugleich die Körperlichkeit meiner borderland-Erfahrungen aus – in der Form eines Handarbeitsstückes, in dem verschiedene Techniken vereint werden, die ich von meiner Mutter und meiner Großmutter erlernen konnte.“ 

 

Jacqueline Hackl ist Universitätsassistentin am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Sie lehrt und forscht zu Ungleichheit und Bildung im Kontext von Schule, Hochschule und Biographie insbesondere mittels Biographieforschung und kollektiver Erinnerungsarbeit.

 

* Siehe u. a. Anzaldúa, Gloria (2007): La consciencia de la mestiza. Towards a New Consciousness. In: dies.: Borderlands. La Frontera. The New Mestiza, 3. Aufl., San Francisco: Aunt Lute Books, S. 99-120. 

 

Die Präsentation war Teil der Ausstellungsreihe philosopHERs as an art inspiration (Frühjahr - Herbst 2023).

Juni 2023: Kunstschaufenster zu Gast im "Ausstellungsraum"


Vom 19.-25.6.2023 war das Kunstschaufenster zu Gast im "Ausstellungsraum" (Gumpendorfer Str. 23, 1060 Wien) mit der internationalen Fotoausstellung Unity in Diversity. U. a. präsentierten zwei National Geographic-Fotografinnen künstlerische Dokumentarfotografien.


Mehr Infos sind HIER zu finden.

Präsentation Mai / Juni 2023


Carina Silvia Manger | Selbst-Verantwortung  und Selbst-Denken / Verstehen 

 

Installationsfotos 2023 


Erläuterung der Künstlerin (for English version see below):  

 

Was bedeuten Selbst-Verantwortung, Selbst-Denken und Verstehen für eine*n jede*n Einzelne*n von uns? Eine Frage, die ich mir selbst schon oft gestellt habe und nur selten klar beantworten kann. In der Auseinandersetzung mit dem Kunstprojekt habe ich nicht lange überlegen müssen, mit wem ich mich auseinandersetzen bzw. wen ich präsentieren möchte. Über das konkrete Thema und die Umsetzung dessen hingegen schon länger. Was hat es mit dem (Nach-)Denken auf sich und was hat es ganz basal mit uns selbst zu tun? Sind es uns selbst „schuldig“, (nach) zu denken? Wenn ja, warum und worüber? Schuld und Schuldig-Sein sind im Allgemeinen negativ konnotierte Ausprägungen einer positiven (ver-antwort-ungsvollen) Haltung (zu sich selbst), zu der ich mit diesen Werken inspirieren will. 


Hannah Arendt will nicht wirken – „Nein, ich will verstehen.“1 Verstehen als zentraler Zugang zu Erfahrungen sind für Hannah Arendt eine nicht wegzudiskutierende Haltung - zu Welt und zu sich selbst. Zu verstehen, insbesondere sich selbst zu verstehen, ist in vielerlei Hinsicht eine Kunst. Eine, die sich gar nicht richtig greifen oder gar darstellen lässt.  „Arendts Werke schaffen etwas Neues und rufen die Leser*innen dazu auf, ihre eigene Positionierung kritisch zu hinterfragen.“2  


Auch Marie-Luisa Frick ruft ihre Leser*innen dazu auf, sich selbst und ihr Denken kritisch zu hinterfragen. „Selbstdenker ist nicht derjenige, der bequem in seinem eigenen Baum der Erkenntnis sitzt, sondern derjenige, der an diesem Baum auch hin und wieder kräftig rüttelt. […] Denn nichts gilt, weil es gilt. Alles könnte anders sein.“3 Anders sein könnte vor allem die Situation für viele Frauen auf diesem Planeten in ihren individuellen und gemeinsamen Lebenswelten. So formuliert Frick in ihrem Buch Mutig denken deutlich, dass „das Anliegen der Bildung und Befähigung von jungen Frauen im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts [nicht] als abgehakt in die Schaukästen der Kulturgeschichte“4 gelegt werden kann. „Die Gegenwart ist weiblich“5, wie Slavoj Žižek es benennt, und soll es auch bleiben. 

Das Benennen von Personen - ihr Name - hilft uns beim Denken und Verstehen. Dieser Schritt verbindet uns mit ihnen. Sie leiten uns an, unser Denken kritisch zu hinterfragen und damit Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. Die Flächen aus unterschiedlichen Farben geben uns die Möglichkeit, facettenreich zu sein - wie Denken, Verstehen und Verantwortung. Die erste Verantwortung einer / eines jeden liegt darin, sich auf den Prozess einzulassen. 


Daher lade ich dich ein, dir folgende Fragen zu stellen: Was denkst du im Moment? Wie verstehst du die Bilder? Wozu inspirieren sie dich? 

 

1 Arendt, Hannah (2006): Ich will verstehen. Selbstauskünfte zu Werk und Leben. Ursula Ludz (Hrsg.), München: Piper, S. 48. Zitiert nach Rehm-Grätzel, Patricia (2008): Handeln als gelebter Wert: Aus Hannah Arendts Leben und Werk. Mainz : Dr.-Ing.-Hans-Joachim-Lenz-Stiftung, S. 10. | 2 Hartmann, Betti / Schriever, Carla (2021): Vordenkerinnen. Physikerinnen und Philosophinnen durch die Jahrhunderte. Münster: Unrast Verlag, S. 51. | 3 Frick, Marie-Luisa (2020): Mutig denken. Aufklärung als offener Prozess. Ditzingen: Reclam Verlag, S. 38. | 4 Ebenda, S. 47. | 5 Žižek, Slavoj (2023): Die Gegenwart ist weiblich. In: philosophie Magazin: Impulse für 2023, Berlin, Sonderausgabe Nr. 23, S. 120. 




Die Präsentation war Teil der Ausstellungsreihe philosopHERs as an art inspiration (Frühjahr - Herbst 2023).



English version:
 

Carina Silvia Manger | Self-responsibility and Self-thinking / Understanding 

Installation images 2023 


Artist statement:

What do self-responsibility, self-thinking and understanding mean for each and every one of us? A question that I have asked myself many times and can rarely answer clearly. In dealing with the art project, I didn't have to think long about who I wanted to deal with or who I wanted to present. On the other hand, the specific topic and the implementation of it have been going on for some time. What is it all about thinking and reflecting and what does it have to do with ourselves? Do we "owe" ourselves to think and reflect? If so, why and about what? Guilt and guiltiness are generally negatively connoted manifestations of a positive (responsible) attitude (towards oneself), which I want to inspire with these works. 

 

Hannah Arendt doesn't want to take effect - "No, I want to understand."1 For Hannah Arendt, understanding as a central access to experience is an attitude that cannot be ignored - to the world and to ourself. Understanding, especially understanding oneself, is an art in many ways. One that can't really be grasped or even represented.  "Arendt's works create something new and invoke readers to critically question their own positioning."2 

 

Marie-Luisa Frick also invokes her readers to critically question themselves and their thinking. "Self-thinker is not the one who sits comfortably in his own tree of knowledge, but the one who shakes this tree vigorously from time to time. [...] Because nothing applies because it applies. Everything could be different."3 Above all, the situation could be different for many women on this planet in their individual and common worlds. For example, Frick clearly states in her book Courageous Thinking that "the concern for the education and empowerment of young women in the third decade of the 21st century [cannot] be placed as ticked off in the showcases of cultural history"4. "The present is female"5, as Slavoj Žižek names it, and should remain so. 

 

Naming people - their names - helps us to think and understand. This step connects us to them. They guide us to critically question our thinking and thus take responsibility for ourselves. The surface of different colors gives us the opportunity to be multifaceted - such as thinking, understanding and responsibility. The first responsibility of each person is to get involved in the process. 

Therefore, I invite you to ask yourself the following questions: What are you thinking at the moment? How do you understand the paintings? What do they inspire you to do? 

 

1 Arendt, Hannah (2006): Ich will verstehen. Selbstauskünfte zu Werk und Leben. Ursula Ludz (ed.), Munich: Piper, p. 48. Quoted in Rehm-Grätzel, Patricia (2008): Handeln als gelebter Wert: Aus Hannah Arendts Leben und Werk. Mainz: Dr.-Ing.-Hans-Joachim-Lenz-Stiftung, p. 10. | 2 Hartmann, Betti / Schriever, Carla (2021): Vordenkerinnen. Physikerinnen und Philosophinnen durch die Jahrhunderte. Münster: Unrast Verlag, p. 51. | 3 Frick, Marie-Luisa (2020): Mutig denken. Aufklärung als offener Prozess. Ditzingen: Reclam Verlag, p. 38. | 4 Ibid., S. 47. | 5 Žižek, Slavoj (2023): Die Gegenwart ist weiblich. In: philosophie Magazin: Impulse für 2023, Berlin, special issue, no. 23, p. 120. 

Präsentation April 2023

  Carola von der Dick | „Stay with the trouble“  – Crouching Critter am Weißen See  

Fotografie auf Leinwand gedruckt, 2023 (Modell: Kupalua als Kritter)  
 

Erläuterung der Künstlerin (for English version see below)

Der Baum, in dem dieses Kritter wohnt, steht am Weißen See in Berlin. Bis 2016, als ich in der Nähe wohnte, ging ich dort regelmäßig schwimmen. Unglaublich, dachte ich, dass ich an einem so schönen Ort schwimmen gehen kann, mitten in der Stadt! Nachdem ich aus der Nachbarschaft weggezogen war, kam ich erst 2018 wieder an den See zurück. Ich war schockiert, als ich entdeckte, dass es jetzt zwei Meter ‚Strand‘ zusätzlich gab, aus feuchtem, aber begehbarem Schlamm. Trotzdem hatten die Leute ihre Handtücher darauf ausgebreitet. Ich konnte mich nicht dazu überwinden, schwimmen zu gehen, der See kam mir nun eher vor wie eine warme Pfütze voller Algen.
Die trockenen Sommer der letzten Jahre hatten den Grundwasserspiegel in Berlin und dem umliegenden Brandenburg weiter sinken lassen, und die Versuche, den See mithilfe einer Pumpe und Wasser aus einer nahe gelegenen Quelle wieder aufzufüllen, waren kostspielig und zeigten wenig Wirkung. Die zwei Meter zusätzlicher ‚Strand‘ stehen exemplarisch für den Klimawandel und andere Probleme, mit denen wir im Anthropozän konfrontiert sind. Wie werden die Stadt Berlin und das Land Brandenburg in ein paar Jahrzehnten aussehen, mit so wenig Wasser?
Mit ihrer Idee von Staying with the trouble bietet Donna Haraway einen Ausweg aus dem Gefangen sein zwischen Optimismus („irgendeine neue Technologie wird alle Probleme lösen und uns retten“) und Pessimismus („es ist sowieso zu spät etwas zu ändern, wir sind verloren“), den beiden häufigsten Reaktionen auf die Schrecken des Anthropo- und Kapitalozäns.1 Sie erzählt Geschichten, die uns herausführen aus dem „Irrgarten der Dualismen“2, mit denen wir unsere Verhältnisse zu erklären versuchen wie Selbst/Andere, Geist/Körper, Mann/Frau, primitiv/zivilisiert, Organismus/Maschine, Tier/Mensch, aktiv/passiv. Der Dualismus von Natur/Kultur hat sich überlebt und ist sogar schädlich, argumentiert Haraway, da wir die unlösbaren Verflechtungen zwischen Natur und Kultur nicht begreifen. Dualismen lassen die Dinge einfacher erscheinen, aber:
„Es ist unsere Aufgabe, Unruhe zu stiften, zu wirkungsvollen Reaktionen auf zerstörerische Ereignisse aufzurütteln, aber auch die aufgewühlten Gewässer zu beruhigen, ruhige Orte wieder aufzubauen. […] Unruhig zu bleiben erfordert […] es zu lernen, wirklich gegenwärtig zu sein. Gegenwärtigkeit meint hier nicht einen flüchtigen Punkt zwischen schrecklichen oder paradiesischen Vergangenheiten und apokalyptischen oder erlösenden Zukünften, sondern die Verflechtung von uns sterblichen Krittern mit unzähligen unfertigen Konfigurationen aus Orten, Zeiten, Materien, Bedeutungen.“3
In dem Wesen auf dem Baum verschwimmen Grenzen zwischen Mensch und Nicht-Mensch. Es ist wahrhaftig anwesend, mit all seinen Sinnen wachsam gegenüber dem trüben, schlammigen Wasser, vielleicht bereit zum Sprung. Gleichzeitig verschmelzen Handfläche und eine Wölbung im Baumstamm ineinander und „treiben Wurzeln hinein ins Planthropozän“.4 Wenn Donna Haraway von „Krittern“ spricht, dann nicht, um eine kreatürliche Ähnlichkeit zu behaupten, sondern um speziesübergreifende Lebensformen anzuerkennen und zu pflegen. Von dieser Vorstellung auszugehen, würde bedeuten, in koevolutionäre und forschende Beziehungen zu treten. Sie hat viele andere dazu inspiriert, unsere Beziehungen mit und als Mehr-als-Menschen zu überdenken und zu fragen, wie fürsorgliche und verantwortungsvolle Beziehungen aussehen könnten.

1 Haraway, Donna (2016), Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene. Durham: Duke University Press, S. 3. | 2 Haraway, Donna (1991), Simians, Cyborgs and Women: The Re-Invention of Nature. New York: Routledge, S. 163. | 3 Haraway, Donna (2016), op. cit., S. 1. | 4Myers, Natasha (2021), How to grow liveable worlds. Ten (not-so-easy) steps for life in the Planthroposcene, ABC, 7.1.2021, https://www.abc.net.au/religion/natasha-myers-how-to-grow-liveable-worlds:-ten-not-so-easy-step/11906548 (Abruf am 6.4.2023).
 

Die Präsentation war Teil der Ausstellungsreihe philosopHERs as an art inspiration (Frühjahr - Herbst 2023). 


English version:
Carola von der Dick |  “Stay with the trouble” - crouching critter at Weißer See
Photography printed on canvas, 2023 (model: Kupalua as critter)

Artist statement:

The tree inhabited by this critter is at Weißen See, a lake in Berlin, that I used to go swimming in regularly when I lived close by until 2016. Incredible, I thought, that I could go swimming in such a beautiful place, while I was in the middle of Berlin! After moving away from the neighborhood, I only came back to visit the lake around 2018. I was shocked to discover that there were now two meters of additional “beach”, made up of moist but walkable mud. People had their towels spread out on it, nonetheless. I couldn’t convince myself to go swimming, I saw now in the lake rather a warm puddle full of algae.
The dry summers of the past years had caused the ground water levels of Berlin and the surrounding Brandenburg to further drop and attempts to refill the lake by pumping in water from a nearby source were costly and showed little effect. The two meters of additional "beach" exemplify climate change, and other problems we face in the Anthropocene. What will the city of Berlin and the federal state of Brandenburg look like in a few decades with such a lack of water?
With her idea of  Staying with the trouble, Donna Haraway has offered a way out of getting stuck between optimism (“some new technology will solve all problems and save us”) and pessimism (“it’s too late anyway to try to change anything, we are doomed”), the two most common responses to the horrors of the Anthropo- and Capitalocene.1 She tells stories that help us find ways out of “the maze of [troubling] dualisms”2, such as self/other, mind/body, men/woman, primitive/ civilized, organism/machine, animal/human, maker/made. The dualism of nature/culture has outlived its usefulness and is even harmful, she argues, as we fail to grasp the insoluble entanglements between nature and culture. Dualisms make things appear simple, but:
“Our task is to make trouble, to stir up potent response to devastating events, as well as to settle troubled waters and rebuild quiet places. […] In fact, staying with the trouble requires learning to be truly present, not as a vanishing pivot between awful or edenic pasts and apocalyptic or salvific futures, but as mortal critters entwined in myriad unfinished configurations of places, times, matters, meanings.”3

The critter squatting in the tree blurs boundaries between human and non-human. It is truly present, alert with all its senses to the muddled waters, maybe preparing to jump. At the same time, its palm and the trunk of the tree are melting into one another, “rooting into the Planthropocene” 4. When Donna Haraway talks about critters, it is not to assert a creaturely similarity, but rather to recognize and nurture multispecies life forms. And to proceed from this idea would mean to enter coevolutionary and exploratory relations. She has inspired many others to rethink our relations with and as more-than-humans, and to ask how caring and responsible relationships would look like. 
 
1 Haraway, Donna (2016), Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene. Durham: Duke University Press, p. 3. | 2 Haraway, Donna (1991), Simians, Cyborgs and Women: The Re-Invention of Nature. New York: Routledge, p. 163. | 3 Haraway, Donna (2016), op. cit., p. 1. | 4Myers, Natasha (2021), How to grow liveable worlds. Ten (not-so-easy) steps for life in the Planthroposcene, ABC, 7.1.2021, https://www.abc.net.au/religion/natasha-myers-how-to-grow-liveable-worlds:-ten-not-so-easy-step/11906548 (accessed April 6, 2023).


Präsentation März 2023

 Home | Arbeiten von Marie Moldenhauer (Hamburg) 


Der Comic zeigt, wie strukturelle Probleme unserer Gesellschaft uns im Alltäglichen umgeben. In ihrer Alltäglichkeit bemerken wir sie häufig nicht – und wenn doch erscheinen sie schnell überwältigend. Das „darüber-reden“ wird essentiell, um diesem Gefühl der Überwältigung zu begegnen und gemeinsam mit anderen Wege zu finden, diese Probleme zu überwinden.

Die Zeichnung zeigt eine 1-Dollar-Münze, welche von einem Penis umkreist wird. Die beiden Symbole können u. a. als Planet und sein Mond oder als Atom mit umkreisendem Elektron verstanden werden. So soll zum Nachdenken darüber angeregt werden, wie kapitalistische und patriarchale Machtstrukturen unser Zuhause – den Planeten Erde – vom Größten bis zum Kleinsten durchziehen und beeinflussen. 

Die Präsentation erfolgte in Kooperation mit Prof. Dr. Carla Schriever und war  Teil der Ausstellungsreihe philosopHERs as an art inspiration (Frühjahr - Herbst 2023). 

Präsentation Winter 2022/23

 Winterkompositionen I & II | Fotografien von Viola Rühse

Präsentation Sommer / Herbst 2022

 Banishment of the Night (New York | Florenz)  | Fotografien von Viola Rühse
 
The colours of selected night scenes taken in popular cities are inverted in these photos. This is inspired by the end of Mozart’s opera „The Magic Flute“. After the evil forces have been banished, Sarastro announces in the opera: “The rays of the sun drive the night away.” (“Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht, zernichten der Heuchler erschlichene Macht.”) The photos shall transfer the symbolic meaning into contemporary cityscapes. The quest for a brighter, more enlightened contemporary world is expressed in the utopian pictures.

Präsentation Mai 2022

Fotografien von Viola Rühse

Play of light and shadows No. III | Fotografie auf Alu-Dibond  von Viola Rühse | 60 x 60 cm
Summer light | Fotografie auf Alu-Dibond von Viola Rühse | 30 x 20 cm